Der Verein

Historie Troisdorfer Narrenzunft von 1925 e.V.

 

In der Geschichte der TNZ spiegelt sich auch das Leben in unserer Heimatstadt bis zum heutigen Zeitpunkt wieder. Während der Zeit der Besatzung des Rheinlandes gründeten sich im Winter 1924/1925 die „Ömmergöncher“, wie sich die Gesellschaft zunächst nannte. In der kalten Jahreszeit saß man im Gasthaus „Alt Heidelberg“, an der Oberlarer Straße (jetzt Bahnstraße), sonntagabends zusammen und schmiedete Pläne. Das Lokal war beliebter Treffpunkt der Bürgerschaft. Einer der regelmäßigen Teilnehmer dieser “Sonntagsrunde“, Johann Klein, schlug eines Abends vor, doch einen Verein zu gründen, in dem man karnevalistische Späße treiben könne.

Dies in einer Zeit, da jegliche karnevalistische Aktivitäten durch die Besatzungsmächte verboten waren. „Ömmergöncher“ war ein unverfänglicher Begriff, der kleine Zuckerkügelchen mit einem Korianderkern beschrieb, ein im 19. Jahrhundert weit verbreitetes Naschwerk („Kölner Dragées“).

Erster Präsident des jungen Vereins wurde Christian Schmidt.

Nach Abzug der Besatzungstruppen und Aufhebung des Karnevalsverbots im Jahr 1926, ließen sich die „Ömmergöncher“ im Vereinsregister unter dem Namen „Troisdorfer Narrenzunft von 1925 e.V.“ eintragen. Man folgte dem Beispiel der Narrenzünfte, die sich in ganz Deutschland neu bildeten. Insbesondere die bereits 1880 gegründete „Kölner Narren Zunft“ nahm man zum Vorbild.

Beide Zünfte folgten dem Beispiel der im Jahre 1381 durch den Graf Adolf von Kleve gegründeten Klever „Geselschap van den Gecken“. Der Tradition dieser „Geselschap“ sieht sich die TNZ verpflichtet. Zahlreiche soziale Aktivitäten werden bis zum heutigen Tage unterstützt.

Die Narrenzünfte fungierten als Familiengesellschaften, Frauen waren herzlich willkommen. Dies bereits in einer Zeit, da die meisten Karnevalsgesellschaften reine Männerdomänen waren.

In Anknüpfung an das ehrwürdige Zunftzeitalter wurde der Präsident der Narrenzunft als „Bannerhär“, der Schatzmeister als „Säckelmeister“, der Schriftführer als „Gaffelschriever“ und die übrigen Vorstandsmitglieder als „Ambsmeister“ bezeichnet. Förderer der Zunft nannten sich „Zunftmeister“.

Die schweren, pelzverbrämten Ratsmäntel, die in der TNZ getragen wurden, lassen darauf schließen, dass hier ein Verein entstanden war, der sich im Geiste der elitären Narrenzünfte sah, die – der Tradition von 1381 folgend – in ganz Deutschland beheimatet waren und bis heute sind.

Bald stellte sich für die Troisdorfer Narrenzunft heraus, dass Gastraum und Vereinszimmer des Lokals „Alt Heidelberg“ nicht ausreichten, um sich auszudehnen. Gastwirt Schlimgen, einer der rührigsten Förderer der noch jungen Zunft, erklärte sich bereit einen Saal zu bauen, wenn alle Interessenten mit anpacken würden. Dazu kam es 1928, die Narrenzünftler begannen ihr Werk, als der Rohbau fertig war. Fußboden verlegen, Bühne bauen usw. – alles unter der Leitung von Gastwirt Josef Schlimgen.

Prächtige Veranstaltungen, insbesondere sehr beliebte Sitzungen mit hervorragenden eigenen Kräften, ließen den Saal fast aus den Nähten platzen. Die begehrten Silvesterveranstaltungen der Narrenzunft fanden begeisterten Anklang in der Troisdorfer Bürgerschaft.

Im Jahr 1928 gründete sich innerhalb der TNZ das erste Tanzcorps „Die Landsknechte“, der Zeit entsprechend mit einem männlichen „Funken-Mariechen“. Diese Landsknechte waren nach dem Vorbild der Reiter des Jan van Werth gekleidet, allerdings in rot und weiß.

Karl Giebmanns, ein führender Karnevalist aus Köln, war es, der die Sitzungen der „Troisdorfer Narrenzunft“ entscheidend prägte. Die Narrenzünftler waren sehr froh, in Karl Giebmanns einen erfahrenen Sitzungsleiter gefunden zu haben. Als dritter Präsident der „Zunft“, Christian Schmidt und Johann Klein waren seine Vorgänger, leitete er Sitzungen, die so großes Ansehen genossen, dass regelmäßig Kölner Besucher nach Troisdorf kamen.

Bis 1939 entwickelte sich ein sehr aktives Gesellschaftsleben, nicht nur zur „Fastelovendszigg“, sondern auch immer jenseits des Karnevals.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es in der TNZ keine karnevalistischen Aktivitäten, vielmehr brachten die Kriegsjahre ein jähes Ende des Frohsinns. Die prunkvolle Ausrüstung von Elferrat und Landsknechten ging beim Großangriff am 29. Dezember 1944 verloren. Der „Gaffelsaal“ im Gasthof Schlimgen, mitsamt der traditionsreichen „Bütt“, ist bei diesem Angriff den Bomben zum Opfer gefallen.

Pünktlich im fünfundzwanzigsten Jahr nach der Vereinsgründung, trafen sich 1950 einige „Zünftler“, um den Verein wieder aufzubauen. Ein Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennigen pro Monat wurde fortan erhoben.

Aus diesen bescheidenen Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich bis heute eine großartige Familiengesellschaft entwickelt, die im Laufe ihrer Geschichte siebzehnmal einen Prinzen der Troisdorfer Altstadt stellte. Rund einhundert Mitglieder freuen sich auf das 88jährige Jubiläum ihrer ältesten – noch aktiven – Karnevalsgesellschaft Troisdorfs.

Ins Jubiläumsjahr starteten die Narrenzünftler am 3. November 2012 mit einer prächtigen Sitzung zum Karnevalserwachen. Präsident und Erster Vorsitzender Dietmar Blaeser freute sich darauf, das – vom Literaten Dieter Rodder zusammengestellte – Programm präsentieren zu dürfen. Wie in der Narrenzunft lange Tradition, wirkten viele Mitglieder der Gesellschaft aktiv auf der Bühne mit.

Anlässlich des Jubiläums wurden ein Jubiläumsheft und eine ausführliche, eigens zu diesem Anlass erstellte, Chronik präsentiert.

In der Jubiläums-Session stellt die Troisdorfer Narrenzunft mit Roland I. und Carmen I. das Prinzenpaar der Troisdorfer Altstadt und natürlich das Gefolge der beiden.

HP. Holländer